Krieg im Netz: Salafistische Hacker und hinkende Ermittler

salafisten292_v-contentgross

Sie schicken Terrorvideos von Neumünster aus in die Welt. Über eine Webseite in Husum sammeln sie Gelder – mutmaßlich für Islamisten. In Pinneberg macht ein Salafist Zehntausende Euro Gewinn mit illegalen Bankgeschäften im Internet. Islamisten und radikale Salafisten nutzen immer stärker das Internet für Propaganda, Geldgewinne und die Kommunikation untereinander. Dabei setzen sie zunehmend auf digitale Verschlüsselung, so dass die deutschen Behörden Probleme bei der Strafverfolgung haben.

Zusammen mit zwei Kollegen habe ich für den NDR über die Computer-Skills der deutschen Salafisten recherchiert. Unser Fokus lag dabei auf Schleswig-Holstein, von wo aus wir deutlilch machen wollten, dass auch abseits der großen Salafistenzentren in Deutschland durchaus hohe Fähigkeiten vorliegen, an denen Ermittler oft scheitern.

Bei den Ermittlungen werde immer wieder festgestellt, dass Datenträger und Computer mit spezieller Software gesichert seien, teilte eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) auf NDR Anfrage mit. Die Analyse der Daten sei häufig unmöglich, ein Tatnachweis erschwert. Dadurch seien inzwischen verfolgungsfreie Räume mit erheblichen Auswirkungen für die Sicherheitsbehörden entstanden, so das BKA. Auch in Schleswig-Holstein sind radikale Salafisten mit illegalen Aktivitäten im Internet aufgefallen. NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin haben drei Fälle recherchiert.

Mehr als 100.000 Euro durch illegale Darknet-Geschäfte

Die Hochhaussiedlung in der Pinneberger Innenstadt ist bekannt für ihre aktive Salafistenszene. Vor ein paar Jahren gab es hier eine Moschee in einem Hinterhof, die dichtgemacht wurde. Dennoch lebt und trifft sich in diesem Umfeld nach NDR Recherchen immer noch der harte Kern eines mittlerweile verbotenen islamistischen Vereins. Im März diesen Jahres stehen Ermittler vom Bundeskriminalamt an einem Mittwochmorgen gegen 4 Uhr vor der Tür von Nader H. aus Pinneberg. Der Vorwurf lautet illegale Geschäfte mit Bankkonten im Internet. Mehr als 100.000 Euro sollen er und seine Komplizen ergaunert haben. Die Polizisten nehmen H. vorläufig fest, beschlagnahmen Waffen und Rechner. Vor knapp drei Jahren hatten Ermittler bei einer Razzia die Wohnung von H. schon einmal durchsucht. Damals nahmen sie die Festplatten mit. Diese sind immer noch nicht geknackt, wie der NDR aus Ermittlerkreisen erfuhr. Die Verschlüsselung ist zu stark.

Experte: “Ermittler hinken da relativ stark hinterher”

“Die sind absolut sensibel, wenn sie im Internet irgendetwas machen”, sagt Cyber-Security Experte Sandro Gaycken von der European School for Management and Technology in Berlin (ESMT). “Die Ermittler hinken da relativ stark hinterher.” Gaycken berät unter anderem westliche Staaten zum Thema Datensicherheit und digitale Kriegsführung im Nahen Osten. “Allgemein nutzen diese Terrorgruppen das Internet ganz unterschiedlich.” Vor allem im Westen seien Islamisten stark vernetzt und versuchten, über das Internet Propaganda zu betreiben: In Texten und Videos, die sie zum Beispiel von ihren Glaubensbrüdern aus den Kampfgebieten in Syrien oder dem Irak bekämen. Darüber hinaus seien moderne Kommunikationsmittel wie soziale Netzwerke wichtig, um sich auszutauschen und abzusprechen, sagt Gaycken. “Die haben zum Teil Mittel, die denen von Nachrichtendiensten entsprechen.”

IS-Insider schreibt an verschlüsseltem Messenger

An einem neutralen Ort, irgendwo mitten in Deutschland, treffen wir Bilal (Name geändert). Er ist Programmierer und kennt sich gut aus in der Salafistenszene im Land. Gegen ihn laufen aktuell Ermittlungen wegen seiner Sympathien zur Terrorgruppe “Islamischer Staat” (IS). Er schreibt gerade an einem verschlüsselten Messenger – ähnlich WhatsApp – und hackt einen kryptischen Code in die Tastatur: .Encode(byte_, target, “password”. Die Kommunikation über das Programm soll von Geheimdiensten nicht ausgelesen werden können. “Es geht niemanden etwas an, mit wem ich persönlich schreibe”, sagt er. “Der Westen mobilisiert derzeit stark gegen Muslime und die sogenannten Salafisten. Ich habe mir daher zur Aufgabe gemacht, dass ich alles dafür tue, dass jeder ein Recht auf Privatssphäre hat.”

“Ich lehne es ab, Handys zu benutzen”