Zukunftsmusik im Radio – und das Wort?

Die “Sehgewohnheiten” verändern sich also und deshalb ist für Markus Lanz und “Wetten, dass…” kein Platz mehr im Fernsehen. So liest es sich in der entsprechenden Pressemitteilung. So, so, ZDF.In diversen Blogs, u.a. bei Fernsehkritik.tv, wird mittlerweile deswegen über eine gewisse Scheinheiligkeit des ZDFs, der Sender im Allgemeinen, und überhaupt diskutiert. Natürlich verändern sich Seh- und auch Hörgewohnheiten seit Jahren massiv (Achtung: Phrasenschwein!) – aber viele Medienhäuser scheinen das als Ausrede dafür zu nehmen, Programm (sei es Information oder tiefergehende Unterhaltung gleichermaßen) runterzufahren. “Der Hörer will es ja so”. Mathias Piecha (@Lassitudor) blickt erfreulicherweise in seinem Blog angesichts der Lanz-Wetten, dass…-Debatte auch auf’s Radio – findet aber unerfreulicherweise auch dort nur Niedergang. “Der Hörer will es ja so.”

“[Der] Hörer ist nämlich gar kein dummer Berieselungsfanatiker. Er erkennt nur einfach, was gut gemacht ist, aufwendig recherchiert und gekonnt produziert. Wie z.B. die täglichen 4 Minuten “Stichtag” (Anm. WDR 2), gut gemachte Geschichte mitten im Formatradio von guten Autoren.

Weiter gedacht: freie Autoren, die irgendwann mal irgendwie zum Radio kamen und mal eben einen O-Ton holen sollen werden auch oft nur Beiträge abliefern, die höchstens 1:30 lang das Interesse des Hörers finden. Wir haben also das Henne-Ei-Problem: wer war zuerst da, der sparende Redakteur im Sender oder der immer weniger hören wollende Hörer?

Dabei führt das Radio immer noch die Spitze der Mediennutzung an. 80 % Reichweite sollen es sein, die Radiosender (gerade die Öffentlich-Rechtlichen) feiern sich nach Veröffentlichungen der aktuellen MA-Zahlen kollektiv gegenseitig und selbst (Zahlen und Studien dazu gibt es u.a. bei der Radiozentrale, einer gemeinsamen Iniative von Privat- und Öffentlich-Rechtlichen Radios, Stichwort: “Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf” – http://www.radiozentrale.de/studien-und-daten/ -) zeitlich reduzieren die Sender massiv den Wortanteil. Bei den Jugendradios gibt es meist nur noch zwei Wort-Takes die Stunde, Regionalfenster werden gestrichen oder gekürzt, Information ist auf dem Rückzug und auch unterhaltungstechnisch wird häufig auf simple Comedy gesetzt (wobei “Frühstück bei Stefanie” auf NDR 2 natürlich wunderbar witzig ist. Trotzdem).

Wo sind also die Innovationen im Radio?

Ein Blick auf entsprechende Studien der vergangenen Jahre (u.a. eben Radiozentrale oder die ARD- ZDF-Online-Studie) zeigt, dass die sich nur mit Nutzung, Formaten und Ausspielwegen, nicht mit Inhalten beschäftigen.

Und ein Blick auf bspw. den Deutschen Radiopreis in der Kategorie “Beste Innovation” zeigt: Auch hier geht es überwiegend um Formate. Es geht darum, den Hörer, der zum User wird, einzubinden. Per App, per selbst zusammengestellter Sendungen, per Konzert- und “offline”-Veranstaltungen, u.v.m. Es geht um die Teilbarkeit von Inhalten.

(“you fm” war beispielsweise nominiert).

Das ist auch alles löblich und notwendig, um sich zu verbreitern und tatsächlich mit Hörern in Kontakt zu kommen und zu bleiben – das ist schließlich mal die Kernkompetenz von Radio gewesen. Aber inhaltliche Innovationen und Sendungen gibt es kaum.

Die Einslive Plan B Reportage (Link) ist noch so ein Format, was anders ist. Jung und trotzdem mit Inhalt. Radio Fritz (rbb) hat es vor einigen Jahren geschafft, Inhalte spannend zu verpacken und “Notausgänge aus der Krise” aufgezeigt. Beim dradio gibt es das noch, z.B. bei dradio Wissen “peng!” (hört hier). Wobei solche Sendungen vermutlich noch weniger Zuhörer haben als Jan Böhmermann mit dem “ZDF neo Magazin”.

Wo sind also die Innovationen im Radio?

Häufig versteckt um kurz vor Mitternacht (Einslive), im Digitalen oder in Podcasts (dradio Wissen) oder beschränkt auf Crossmedialität (alle anderen). Dabei zeigen die inhaltlichen Leuchttürme, dass es durchaus den entsprechenden Wunsch von Seiten der Hörer gibt, er es keineswegs so haben will, wie die Programmchefs uns glauben machen wollen. Lasst uns also Form wieder mit dem Inhalt verbinden!

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