Und lästig grüßt das Transkript

Vor allem für Radioreporter ist es eine lästige Pflichtaufgabe: Da hat man gerade ein spannendes – gerade mal 30-minütiges – Interview geführt, es mitgeschnitten, am Rechner schon die besten Sätze zusammengeschnitten; jetzt muss man aber all das Gesagte auch irgendwie verschriftlichen. Schließlich will a.) der Redakteur wissen, was alles in dem geplanten Beitrag vorkommt und b.) ist es auch für den Reporter deutlich einfacher die Geschichte zu erzählen, wenn er kurz nachlesen kann, was die Protagonisten sagen.
Die Sekretärin, die die geführten Interviews abtippt, ist gerade nicht greifbar für den Freien Journalisten, spezielle Spracherkennungssoftware ist teuer und das Geld nicht wert. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, Interviews schnell und einfach zu transkribieren. Zwei Methoden:

– Achtung: Beiden Methoden geht voraus, dass ich die Interviews selbst schon einmal grob vorschneide und mir die Passagen zusammenstelle, die möglicherweise gut passen könnten. Auf ein komplettes Transkript verzichte ich meist, weil man beim durchhören häufig schon merkt, welche Passagen sich eignen.

Methode 1:

Selbst abtippen (Vor allem für kürzere Beiträge geeignet)

Nachdem ich die Interviews vorgeschnitten habe, lege ich in meinem Schnittprogramm alles nacheinander in eine Spur und speichere die vorgeschnittene Variante als eine lange Audiofile (mp3) ab. Die File importiere ich ganz einfach per Drag and Drop in das kostenlose Programm “Listen ‘n Write” (hier Download).

Damit muss man zwar selbst noch tippen, aber man muss nicht mehr zwischen Audioplayer und Schreibprogramm hin und her springen. Einfach im Programm die “F5”-Taste drücken, die Audio-Datei spielt ab, ich tippe mit, drücke nochmal “F5”, das Audio pausiert. Nochmal “F5”, die Wiedergabe springt ein paar Sekunden zurück und ich kann weiter schreiben. Zeitersparnis dadurch gut ein Drittel. Macht auch deutlich mehr Spaß.

Methode 2:

Youtube die Arbeit machen lassen (gerade bei längeren Interviews)

Die Spracherkennung vieler Programme ist häufig echt miserabel und lohnt den Kauf für oft mehrere hundert Euro nicht. Eine Nerd-Variante, die mir Kollege Marco Maas geraten hat: Die Arbeit outsourcen und von Youtube machen lassen. Und tatsächlich: Die Spracherkennung von Youtube ist relativ gut. Und kostenlos. (*Achtung: Dateien als “privat” hochladen und nach Gebrauch am besten löschen, damit sie nicht öffentlich im Netz zugänglich sind. Und mit sensiblen Interviews würde ich das jetzt auch nicht machen).

Also entweder:

a.) wie gehabt alle vorgeschnittenen Interviewschnipsel in eine Timeline legen, in einen Videoeditor importieren und zum Beispiel ein belangloses Beispielbild über alles legen und dann das ganze als Video-Datei ausspielen und bei Youtube hochladen.

oder

b.) Die erstellte Audio-Datei mit dem vorgeschnittenen Interview per TunesToTube auf Youtube hochladen.

Die Idee dahinter ist: Wir nutzen die Untertitel-Funktion, die Youtube uns anbietet. Leider geht das nicht von jetzt auf gleich und dauert ein wenig. Über den “Videomanager” des eigenen Kanals können wir die “Untertitel” des Videos bearbeiten. Youtube bietet uns dazu drei manuelle Varianten an, über die wir Untertitel eingeben können. Genau das wollen wir natürlich nicht. Wenn wir aber ein wenig warten, macht uns Youtube Vorschläge für Untertitel. Bei meinem ersten Versuch dauerte es etwa 30 Minuten bei einem 13 Minuten Interview, bis Youtube mir die Untertitel angezeigt hat.

Also: Nach einiger Zeit das Video aufrufen und Youtube zeigt im “Videomanager” unter “Untertitel” den Punkt “Deutsch (automatisch generiert).

Die Spracherkennung ist semi-gut. Je nach Sprecher. Bei meinem ungarischen EU-Abgeordneten mit gebrochenem Deutsch musste ich deutlich nachbessern, beim deutschen Interviewpartner waren große Passagen tadellos. Selbst Wörter wie “Personenfreizügigkeit” erkannte Youtube einwandfrei. Allerdings wurden “ähms” häufig zu “Prozent” übersetzt, so dass man schon auf jeden Fall nochmal ran und überarbeiten muss. Das geht aber relativ fix.

Einfach im Editor Video abspielen lassen, Youtube hat schon die einzelnen erkannten Satzverstücke mit Timecodes versehen. Parallel einfach die Vorschläge entsprechend der korrekten Übersetzung verändern. Youtube pausiert automatisch, sobald man tippt.

Gerade bei langen Interviews erspart das deutlich Zeit, wenn man nur einzelne Passagen überarbeiten muss. Fertig ist man damit leider noch nicht. Über den Button (s. Grafik oben) kann man sich das ganze Transkript als txt-Datei ausspielen lassen.

Jetzt muss man leider händisch noch die Timecodes von Youtube herauslöschen, damit das ganze übersichtlicher wird. Dann hat man aber eine gute Übersicht über die einzelnen O-Töne und Interviewaussagen.

Kleiner Tipp noch: Hilfreich ist es, wenn man zwischen den einzelnen O-Tönen kurze Pausen lässt. Im Untertitel-Editor nach jedem abgeschlossenen O-Ton einen Platzhalter einsetzen (z.B. ” //// “). Dann erkennt man die einzelnen Töne in der txt-Datei besser und behält die Übersicht.

Klingt jetzt recht aufwendig, ist aber doch, wenn man es einmal verstanden und gemacht hat, recht simpel. Und es spart nicht nur Zeit, sondern macht auch nicht so viel schlechte Laune, als wenn ich die Interviews selbst abtippen muss.

Sonst jemand hilfreiche Tipps, wie man das lästige Transkribieren anderweitig optimieren kann?

49 thoughts on “Und lästig grüßt das Transkript

  1. Pingback: neil
  2. Pingback: jimmie
  3. Pingback: kyle
  4. Pingback: Tony
  5. Pingback: Austin
  6. Pingback: shane
  7. Pingback: harold
  8. Pingback: dave
  9. Pingback: todd
  10. Pingback: craig
  11. Pingback: jerry
  12. Pingback: Raymond
  13. Pingback: morris
  14. Pingback: Robert
  15. Pingback: Stephen
  16. Pingback: Henry
  17. Pingback: Edward
  18. Pingback: Ricky
  19. Pingback: greg
  20. Pingback: Reginald
  21. Pingback: Terrence
  22. Pingback: Scott
  23. Pingback: danny
  24. Pingback: Nathaniel
  25. Pingback: felix
  26. Pingback: Micheal
  27. Pingback: mario
  28. Pingback: lance
  29. Pingback: Herbert
  30. Pingback: Trevor
  31. Pingback: Derek
  32. Pingback: adrian
  33. Pingback: Terrence
  34. Pingback: sam
  35. Pingback: Carlos
  36. Pingback: Brent
  37. Pingback: Franklin
  38. Pingback: johnnie
  39. Pingback: mario
  40. Pingback: darrell
  41. Pingback: marion
  42. Pingback: Marcus
  43. Pingback: todd
  44. Pingback: thomas
  45. Pingback: karl
  46. Pingback: Scott
  47. Pingback: charles
  48. Pingback: gilbert
  49. Pingback: fredrick

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *