mzungu

Jetzt bin ich also offiziell ein “mzungu”, ein Bleichgesicht. Nicht, dass ich nicht auch schon vorher, in Deutschland, gut an meiner weißen Hautfarbe zu erkennen gewesen wäre, aber gestern abend in der Stadt kam mir eine Grupe älterer Tansanier entgegen. Und weil ich nicht auf Ihr dauerndes “Mambo”, wie gehts?, reagierte, riefen Sie mich halt, “ey, mzungu!”

Das war auf dem Weg zu einer Party auf der Msasani Peninsula, der Halbinsel im Nordosten von Dar es Salaam, wo die meisten Ausländer wohnen: Deutsche, Amerikaner, Inder. Alle, die sich mit ihren unzähligen NGOs oder Entwicklungshilfsprojekten um das Wohl der Menschen hier kümmern. Die Häuser hier sind hinter hohen Mauern mit Stacheldraht versteckt. Private Sicherheitskräfte stehen mit Gewehren davor, während wir mit unserem dreirädrigen Motorrad (Bajaj genannt) über die holprige Schotterpiste brettern und in den Kratern in der “Straßen”mitte fast versinken. Rechts überholens uns dicke Jeeps. Wobei sie das – in der arabischen Welt – so übliche Hupen freundlicherweise unterlassen.

Heute ist ein wenig Olympiagucken dran. Den 5.000-Meter-Lauf der Damen dominieren zwar die Kenianerinnen und Ethiopierinnen, aber die Schwarzen auf der Leinwand sind die einzigen Farbigen in der Sports Bar, wo das Bier gleich drei mal so teuer ist wie in dem Laden an der Ecke meiner Wohnstraße. Abgesehen von der lokalen Band, die im Hintergrund spielt, den Kellnern und den Prostituierten. Die Expat-Clique bleibt häufig unter sich, ein seltsames Gefühl, wenn man nur wenige Minuten vorher noch im einzigen weißen Haus des Viertels wohnt. Aber der Eintritt von 5.000 Tansanischen Schilling (2,50 Euro) hält die meisten locals davon ab, die Clubs und Bars zu betreten.

Ansonsten wird hier schon fleißig recherchiert, was aufgrund meiner kaum vorhandenen Swahili-Kenntnisse mal wieder ein bemerkenswerter Rückfall in die totalen Journalismusanfänge ist. Meine Fragen werden einsilbig beantwortet. Der sich angebotene Dolmetscher palavert jedoch fast zwei Minuten lang… you know, he says…. Hm, ach ja. Tut er das?

P.S.: Wer ein gutes Mittel gegen laut krächzende Krähen vor meinem nicht vorhandenen Fenster hat (lediglich ein Loch in der Wand mit Gitterverschlag) melde sich bitte! Einsprechen von Radio-Texten wird so nämlich trotz des übergeworfenen Schlafsacks zu einer echten Geduldsprobe.

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