#nubrenn

Die Indizien waren da: Die menschenleeren Straßen, die Nachrichten über ausländerfeindliche Übergriffe, vielleicht auch die NPD-Wahlplakate, die ganz unten an den Straßenlaternen hingen. Es hätte einem auffallen können, dass es eine Scheißidee ist, mit der weißen Jalabiya eines Arabers durch die Sächsische Schweiz zu fahren.

In Berlin war das noch ok. Als wir zu Dritt – und extrem (!) arabisch aussehend mit unseren schlechten Drei-Tage-Bärten und der blassen Hautfarbe unseren guten Freund Marc mit lautem “yalla-yalla” aus seiner Wohnung entführten. Fast ein Jahr habe ich mit Marc in Damaskus eine WG geteilt. Bevor er sich also in die Ehe und anschließend als Reporter nach Kairo verzog, wollten wir nochmal mit seinen Freunden ein letztes, gemeinsames Wochenende verbringen und entschieden uns für ein einsames Haus und Wandern in der Sächsischen Schweiz.

Stilecht dann natürlich die Entführung aus Berlin. Problemlos. Bis wir dann abends noch schnell in Pirna, dem “Tor zur Sächsischen Schweiz” in einem Lidl einkaufen wollten. Es gibt so Momente, in denen Du direkt weißt: Japp, das war jetzt eine Scheißidee. Und das war nicht, als wir vor einigen Jahren zu Halloween als Ghostbuster und Kreuzritter verkleidet durch die Altstadt von Damaskus zogen. Das war in Pirna. Und ich wusste es schon, als ich besagt weiß gewandet den Einkaufswagen holen wollte.

Plötzlich merkte ich nur unten links am Bein so ein leichtes zuppeln und guckte runter. Da hockte ein hutzeliges – und sehr betrunkenes – Männchen und nestelte an seinem Feuerzeug rum. Es guckte hoch, grinste breit und sächselte lallelnd: “Nu, ma guggn wie schnell Du brönnen gonnst.”

Nun ist meine Jalabiya nicht ganz feuerfest und ich hatte nicht vor, auf einem Parkplatz in Sachsen angezündet zu werden. Nach lauten Allahu Akbar – Rufen zog das Männchen dann auch kurz ab, kam aber direkt mit seinem – nicht weniger angetrunkenen – Enkel zurück. Pöbelnd folgten die beiden uns in den kurz vor Ladenschluss stehenden Lidl. Zwei Sachen waren dabei schlimm: 1.) Dass die beiden absolut uneinsichtig waren, was unsere ziemlich plausiblen und gar nicht ironischen Erklärungen (Jungegesselabschied, der Kleene geht bald nach Kairo) betraf. Und 2.) Die Blicke der verbliebenen Kunden durch die Regale hindurch, hinter denen sie sich versteckt hatten.Am Ende waren so ziemlich alle (inkl. uns) froh, als wir den Laden verlassen hatten.

Drei Jahre habe ich in Dresden gelebt und liebe diese Stadt noch immer. Doch in diesem Sommer war ich geschockt. Über diese undifferenzierte Frustration und Aggression.

Aber eigentlich ist es ja meine Schuld. Und ich bin froh, dass es jetzt endlich raus ist: Ja, ich bin für #pegida verantwortlich. Sorry, mein geliebtes Dresden, das war so nicht geplant. Aber es ist vollkommen verständlich, dass nach unserem Auftritt damals jetzt alle Leute auf die Straße gehen und gegen die Islamisierung des Sachsenlandes auf die Straße gehen. Ich entschuldige mich zutiefst. Ana asif. Ma salame.

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