Mädchen und Medien

Es ist ja alles keine neue Wahrheit, dass junge Menschen vor allen Dingen mobil ins Netz gehen und keinen Bock mehr auf die klassischen Medien haben. *gääääähn* Trotzdem fand ich es spannend, mal mit jungen Menschen (17/18 Jahre) über ihren Medienkonsum zu sprechen. Das ist ja einer der Vorteile an so einem Job als Journalist. Vier Tage habe ich zwölf junge Mädchen (japp, Prof. Weischenberg hat Recht: “Der Journalismus wird weiblich!”) in einem Multimedia-/Online-Journalismus-Seminar bei der RTL-Journalistenschule betreut*.
Was ich als “Kennenlern-Spiel” getarnt hatte war in Wahrheit eine knallharte soziologische Studie. Alle sollten sich nämlich vorstellen und sagen:

– Wo geht morgens der erste Handgriff hin (nachdem man den Wecker ausgemacht hat)?
– Welche Nachrichten-/Informations-Apps oder -webseiten nutzt ihr?

Klar, das ist alles nicht sehr repräsentativ, weil es nur zwölf junge Damen waren, alle gut gebildet und engagiert, alle interessiert an Medien. Aber interessant fand ich es trotzdem, wie sie Medien nutzen.

Gut, bei mir ist es ähnlich. Morgens erstmal Handy an und gucken, was so passiert ist in der Welt. Parallel dazu läuft das Radio (auch bei jungen Menschen). Wenig verwunderlich: Fernsehen läuft kaum noch. Wenn es was interessantes gibt, dann wird überwiegend in der Mediathek geschaut oder bei Youtube.  Jetzt aber die spannende Frage: Welche Apps und Webseiten werden aufgerufen?

Ganz oben ist Social Media. Vor allem Instagram (liegt vielleicht an der “Stichprobe” und dem Geschlecht. Während Twitter ja eher so der Nachrichtenticker für Journalisten ist, ist Instagram die “Gala”. O-Ton einer Befragten: “Nachrichten les ich da nicht. Das ist alles eher so personality.”) liegt in der Gunst der jungen Befragten ganz oben. Danach dann weitere Social Media Kanäle (wie ja auch die aktuellste ARD-/ZDF-Online-Umfrage belegt hat).

Wenn es im FB-Stream oder über Twitter oder sonstwo interessante News gibt, suchen die meisten gezielt nach weiteren Infos im Netz oder bei Google News für mehr Artikel. Lang wird kaum gelesen, eher überflogen und gescannt.

Beruhigend trotzdem: Auch die “alten Medien” haben noch ihren Platz und genießen einen gewissen Vertrauensvorsprung, wie etwa die Tagesschau App (“Ich guck morgens meistens kurz die 20-Uhr vom Abend in der Mediathek”) oder Süddeutsche und Zeit (mit ihren entsprechenden Online-Angeboten).

Ich weiß nicht, ob es an der Fragestellung lag, aber nur eine Person hat zwei Youtube-Kanäle genannt, die sie regelmäßig schaut (WDR 360 und “Was geht ab?”). Von alternativen News von LeFloid und Co. war keine Rede. Es wird also vor allem Text gelesen (“Ich muss halt auch auf mein Datenvolumen gucken”) und per WiFi werden dann eher die “klassischen” Angebote über die Mediatheken (oder Youtube-Kanäle) abgerufen.

Vielleicht sollte ich am Ende des Seminars noch fragen, welche Themen die jungen Damen interessieren. Aber als sie selbst gute Beispiele für Online-Geschichten sagen sollten, die sie selbst in der letzten Zeit gut gefunden haben, war eines der Beispiele dieser One-Pager der Zeit über eine Frau, die vorgibt, die Mutter von Wladimir Putin zu sein.

Wie gesagt, alles keine neuen Erkenntnisse, aber vielleicht sollte man sich viel häufiger mit jungen Kolleg/innen treffen um zu sehen, wo die Reise so hingeht. Eigentlich sollte ja allen klar sein: “Die Zukunft ist mobile” – aber als etablierte Medien haben wir trotzdem immer noch das Vertrauen der jungen Zielgruppe. Das ist doch erstmal eine gute Nachricht.

* organisiert wurde das Seminar von der Medienwerkstatt der KAS – die Journalistenseminare für Schüler anbieten (Werbung Ende)

** In einer vorherigen Version war von “sozialistischen Studien” die Rede. Das ist natürlich Quatsch gewesen und war eine Folge von zu viel Seminar und zu wenig Schlaf (02.06.2015, 09:53 Uhr)

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