Zur Lage der Region #2 – Tunesien und der Tourismus

bullaregia

Ach, Tunesien, Du Land der Sonne und der weißen Strände. Irgendwie kommst Du touristisch gerade nicht auf die Beine. Drei größere Anschläge im letzten Jahr haben dazu geführt, dass kaum noch europäische Touristen ins Land kommen. “Russen sind viele da”, hört man immer wieder. Aber kein russisch in den Straßen. “Die bleiben halt alle im Ressort und gehen nicht raus”, hört man dann weiter.
In der Presse geistern verschiedene Zahlen umher. Um 30 Prozent sei der Tourismus eingebrochen in dieser Saison. andere sprechen von mehr als 50 Prozent. In der Medina von Tunis springt kaum einer der Händler auf, wenn ich – offensichtlich nicht einheimisch – vorbei flaniere. Irgendwie hängt Lethargie und Resignation in den kleinen Gassen. Aber woran liegt das?
Vergangene Woche dann ein Interview des lokalen Radiosenders mit dem deutschen Botschafter. Für einen Diplomaten wählt er erstaunlich harsche Worte, wenn man der Übersetzung des Radios glaubt (ich habe das Interview selbst nicht gehört): „Dass so wenig deutsche Urlauber nach Tunesien kommen wollen, liegt nicht nur an der Sicherheitslage, sondern auch an der Servicequalität im Tourismusbereich. Für Deutsche ist Sauberkeit ein äußerst wichtiges Kriterium. Wenn ein Tourist aber wie auf Djerba die Müllberge überall sieht, dann kommt er niemals wieder. … Tunesien braucht zündende Ideen und Luxushotels, um im schwierigen internationalen Konkurrenzkampf Touristen ins Land zu holen.” (zit. nach Pressespiegel dt. Botschaft vom 10.08.16)

Und ja, irgendwie hat er leider recht. Die Müllberge in den Straßen (auch in Tunis) sind unübersehbar. Es riecht penetrant nach Müll und Fäkalien – was bei knapp 40 Grad Celsius noch immer etwas penetranter wirkt. Letztens kam mein tunesischer Kollege mit einer Sprühflasche Jasminduft ins Büro und nebelte alles ein. Selbst er ist überrascht und genervt von der aktuellen Situation.

Angesichts eines freien Wochenendes habe ich Tunesien jetzt aber auch einmal aus Sicht eines klassischen Touristen entdecken können. Aufgabe 1: Spontan ein Mietauto bekommen – so gut wie unmöglich und mit extremem Aufwand verbunden. Niemand wollte uns für 3 Tage ein Auto vermieten. Eine Woche ja, aber ein paar Tage? Nein!
Dann sind wir in den Osten gefahren, an die algerische Grenze nach Tabarka. Das soll das Tauchparadies sein. Da haben wir dann mehreres feststellen können: Es waren außer uns trotz Hauptsaison kaum andere (ausländische) Touristen da. Der Service war unterirdisch – und niemanden hat es interessiert. Wir wurden mit Kinderplastikflossen und extrem schlechtem Equipment ins Wasser geschubst. Auf unsere Einwände hat niemand reagiert, wir hätten uns fast geweigert ins Wasser zu gehen, wenn wir nicht zu neugierig gewesen wären auf die Unterwasserwelt.
Bei der Rückfahrt nach Tunis über Land sind wir in eine Straßenblockade gekommen. Später erfahre ich, dass es sich um eine spontane Blockade der Bauern im Osten gehandelt haben soll. Die Wasserversorgung ist derzeit vor allem im ländlichen Gebiet sehr besorgniserregend. Immer wieder kommt es in letzter Zeit zu Blockaden und kleineren Aufruhren.
Dann noch ein kurzer Abstecher in die alte römische Ruinenstadt “Bulla Regia” – einer Art tunesischem Pompeji. Wir kommen eine Stunde vor Toreschluss an. Als wir in den Ruinen stehen tritt eine Führerin an mich heran (mich wundert, dass es überhaupt nur eine gibt) und bittet fast schon flehend, ob sie uns nicht etwas erzählen darf. Wir sind die ersten Touristen des Tages.

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